Stammzellforscher Hans Schöler bezeichnet Abtreibungen als „dringliche ethische Frage“
Hans Schöler vom Max-Planck-Institut in Münster ist einer der führenden Forscher auf dem Gebiet embryonale Stammzellen. In einem Interview mit der Südwestpresse vom Dienstag beklagt er das „tiefe Misstrauen“ der Kirche gegenüber seiner Arbeit. Diese müsse sich dringlicheren Fragen stellen. Als Beispiel nennt er die „200.000 Abtreibungen“. Mit diesem Thema könne man sich jedoch nicht so wie bei der Stammzellforschung profilieren.
Weiterhin interessant ist seine Einschätzung der Wählermeinung zu dem Thema Stammzellforschung. So sagt er einerseits:
Ich glaube, dass die Mehrheit unsere Arbeit befürwortet. Es kommt natürlich darauf an, wie man fragt. Heißt die Frage: Möchten Sie, dass Ihrem Partner im Fall einer schweren Erkrankung mittels Stammzellforschung geholfen wird?, bekommt man Zustimmung. Anders sieht es aus, wenn gefragt wird: Befürworten Sie, dass für die Forschung Embryonen getötet werden?
Auf der anderen Seite betont er jedoch, dass Kirchenvertreter durch ihre Opposition zur Stammzellforschung profilieren wollten.
12. April 2008 at 14:24
Das Problem bei der Fragestellung, die Schöler vorschlägt, ist, dass man bei Frage eins ein Ereignis bejaht, dass möglicherweise der Fall ist (also es setzt voraus, dass man einen Partner hat, dass dieser krank ist und dass dann die Stammzellforschung helfen kann), während man bei Frage zwei ein Ereignis verneint, dass sicher der Fall ist: der Tod des Embryos bei seiner Verwendung im Rahmen der ESZ-Forschung. Ganz fair ist das nicht.
Gruß, Josef Bordat
14. April 2008 at 22:19
oops, Prof. Schöler ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Denn der Kirche zu sagen, sie solle sich endlich mal mit dem Thema Abtreibung beschäftigen, ist ja wohl der Lacher des Jahres! Die Kirche ist ununterbrochen damit beschäftigt, gegen die Todesstrafe, gegen Abtreibungen, gegen embryonale Stammzellforschung, und überhaupt gegen jede Form von „Menschen töten Menschen“ zu argumentieren.
Laut Angaben des statistischen Bundesamtes beträgt die Abtreibungszahl etwas 100,000 im Jahr 2007 in Deutschland. Weltweit reden wir von 46 Millionen.
Gruss
Anny
15. April 2008 at 19:27
Prof. Schölers Äußerungen sind meines Erachtens auch so zu erklären, dass er jedes erdenkliche Argument ins Feld führt, was die liberale Position stützt. Dass darunter die Konsequenz der Argumentationskette leidet, nimmt er wohl in Kauf. Ähnliches merkt man ja auch der Rede Volker Becks, die ich gestern zitiert habe, an. Auf der anderen Seite Abtreibung befürworten, auf der anderen Seite dem Embryo das Menschsein nicht absprechen, das beisst sich genauso wie die umgekehrte Argumentation Schölers.