Zum Mensch-Tier-Embryo
Gestern abend wurde gemeldet, dass Forscher an der Universität von Newcastle ein Mischlebewesen aus dem Erbgut eines Menschen und einer Kuh hergestellt haben.
Dazu dokumentieren „Informationen zur Bioethik“ eine Pressemitteilung des CDU-Bundestagsabgeordneten Hubert Hüppe:
Klonen von Tier-Mensch-Embryonen zur Stammzellgewinnung ein „Frankenstein-Experiment“
Anlässlich des Bekanntwerdens geklonter Mensch-Tier-Embryonen in Großbritannien erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe, Berichterstatter für Bioethik und Gentechnik der CDU/CSU-Arbeitsgruppe Gesundheit und in der 14. und 15. Wahlperiode stv. Vorsitzender der Enquete-Kommission „Ethik und Recht der modernen Medizin“:Die britischen Tier-Mensch-Klonexperimente sind in mehrfacher Hinsicht ethisch inakzeptabel und wissenschaftlich fragwürdig.
Sie werfen auch Fragen im Kontext der aktuellen deutschen Stammzelldebatte auf. Wer garantiert etwa, dass nicht früher oder später die Forderung nach Import von Stammzellen aus solchen geklonten Mensch-Tier-Embryonen erhoben wird? Denn schließlich ist das Ziel der britischen Tier-Mensch-Klonexperimente die Herstellung neuer Stammzelllinien, so die Universität Newcastle auf ihrer Homepage.
Das Klonen von Mensch-Tier-Embryonen verletzt gleichzeitig mehrere ethische Grenzen:
Es handelt sich um eigens zu Forschungszwecken hergestellte Embryonen („Forschungsembryonen“), die nach dem britischen Gesetz spätestens nach 14 Tagen getötet werden müssen.
Die Embryonen werden durch Klonen nach dem „Dolly-Verfahren“ hergestellt. Das Klonschaf „Dolly“ verdankte sein Leben dem Transfer eines erwachsenen Zellkerns in eine Eizelle, deren Zellkern zuvor entfernt worden war. Dieser Klonembryo wurde von einer Leihmutter bis zur Geburt von „Dolly“ ausgetragen.
Das neue Klon-Experiment überschreitet die Gattungs-Grenzen zwischen Mensch und Tier. Weil menschliche Zellkerne in zuvor entkernte Eizellen von Kühen verpflanzt wurden, und weil die entkernten Kuh-Eizellen noch eine gewisse Menge Erbmaterial (sogenannte mitochondriale DNA) enthalten, sind die erzeugten Embryonen teilweise menschlich und teilweise tierisch.
Die Erweiterung des Forschungsklonens auf tierische Eizellen kommt zur Unzeit. Weltweit ist es nie gelungen, aus mit menschlichen Eizellen geklonten menschlichen Embryonen („therapeutisches Klonen“) embryonale Stammzellen zu gewinnen. Entsprechende Behauptungen einer koreanischen Gruppe um Woo-suk Hwang hatten sich vor zwei Jahren als der größte Forschungsbetrug der jüngeren Geschichte entpuppt. Und das umstrittene „therapeutische Klonen“ ist als wissenschaftliche Sackgasse aufgegeben. Erst Ende 2007 hatte sich der Klon-Pionier Ian Wilmut – „wissenschaftlicher Vater“ des Klonschafs Dolly und Inhaber einer britischen Lizenz zum Klonen menschlicher Embryonen – völlig vom Klonen und embryonalen Stammzellen losgesagt, um sich der ethisch unproblematischen Reprogrammierung erwachsener Zellen zu „induzierten pluripotenten Stammzellen“ (iPS-Zellen) nach dem Verfahren von Yamanaka zuzuwenden.
Nicht zuletzt befremdet, dass die britischen Klonforscher per Pressemitteilung etwas behaupten, das sie nicht mit einer wissenschaftlichen Publikation belegen, anhand derer ihre Fachkollegen die Stichhaltigkeit der Behauptung überprüfen und sachkundig diskutieren könnten.
Link:
- Mischwesen aus Mensch und Tier erschaffen, Welt Online vom 2. April